Konsequenzen

Präzision und Perfektion der sakralen Raumkonstruktion beeindrucken. Das Ordnungskonzept basiert auf strenger Geometrie. Durch konsequentes planerisches Handeln bei der Lokalisierung und Verteilung zentraler heiliger Einrichtungen schufen die Vermesser `ideale´ Räume. Diese stehen nicht nur untereinander in sinnstiftender Beziehung, sondern auch zum Kosmos.

   

Für die Kombination von Kirchen und keltischen Burgen nach geometrischem Muster kommen verschiedene Erklärungen infrage:

 

Die Kirchenstandorte orientierten sich an den Burgenstandorten, oder die Kirchenstandorte waren bereits in keltischer Zeit (wichtige) Vermessungspunkte und wurden übernommen. In den Alpen kann diese Beziehung vielfach nachgewiesen werden. Womöglich ist eine dritte und vierte Variante relevant.

 

Die Wissenschaft tut sich schwer mit diesen Hypothesen. Die Archäologie z.B. gibt als Maßstab Zeitgleichheit aus – nur Anlagen, die in derselben Phase existierten, können miteinander in Beziehung gesetzt werden. Datierungen fußen aber häufig auf zufälligen Funden und nicht auf umfassenden Grabungen. Nicht selten müssen Ergebnisse korrigiert werden.

 

Der Ansatz dieser Arbeit geht in die umgekehrte Richtung. Sie dokumentiert auf kartographischer Basis Regelhaftigkeiten und Gesetzmäßigkeiten, die seriös kaum zu widerlegen sind und fordert die Wissenschaft auf, interdisziplinär Erklärungen zu finden – oder aber diesen Ansatz überzeugend zu falsifizieren. Archäologen, Astroarchäologen, Historiker, Sprachwissenschaftler und Geographen müssen zusammenarbeiten.

 

Wenn auch Zweige der Wissenschaft Probleme mit dieser Art der Beweisführung haben, so lassen sich auf alle Fälle in anderer Richtung Konsequenzen aus den Erkenntnissen ziehen. Die streng geometrischen Muster und Gesetzmäßigkeiten sind existent und anschaulich darzustellen.

 

Ein (spiritueller) Tourismus begreift die Strukturen als überdimensionales Kunstwerk, als eine Installation,  die Raum und Zeit faszinierend verbindet. Der Mensch, der sich bewusst in der Installation bewegt, wird Teil der Ordnung. Er identifiziert sich mit dieser und der Landschaft, die die Interpretationsgrundlage darstellt.

 

Das Thema Zusammenhalt, Kooperation erhält eine augenscheinliche Bedeutung und kann für die Region ein wesentlicher zukunftsweisender Identifikationsfaktor sein.

 

Ziel des sakralen Raumkonzeptes war eine auf hohem Niveau filigran geordnete Landschaft. Durch das Aufdecken, das Dekodieren und das folgende Bewusstsein kommt es zu einer „Wiederverzauberung“. Zudem ist das Modell ein Gegenpol zu unserer rastlosen Beschleunigungsgesellschaft und zu Entwurzelung.

 

Das Geschichtsbewusstsein der Einheimischen, aber auch der Gäste wird gestärkt. Die aufgedeckte immaterielle Hinterlassenschaft katapultiert das materielle kulturelle Erbe in eine andere Dimension.

 

Offensichtlich ist die „Urbevölkerung“ des hessisch-westfälischen Grenzraumes eine unterschätzte Kultur. Eine nachhaltige Entwicklung der Region muss zwingend das Wissen um die erste Kultur als Basis regionalen Bewusstseins umfassen.